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Archive for September 2007

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Soo, seit heute habe ich also endlich ein Handy. Es ist das schöne Casio W53CA in weiß geworden. Mit 5.1 Megapixel-Camera etc. Und da wir mit dem letzten September gerade den Tag erwischt haben, an dem alle Handys bei Yodobashi (Riesen-Elektrogeschäft) im Angebot waren, hat es nur 1 (in Worten: einen) Yen gekostet! ^__^ Zum Glück hatten wir Anjas Freundin Miki dabei, die uns die unterschiedlichen Verträge erklären konnte. Nun habe ich einen Vertrag bei „au“ und bin endlich (zumindest in Japan) besser erreichbar. Das ganze war aber auch wieder ein ganz schöner Akt. Eigentlich war nur ein Formular auszufüllen, aber da wir ja kleine Aliens sind, wurden auch unsere Pässe und Registrierungszertifikate kopiert, etc. Wir konnten wieder die Pin-Nummer selbst festlegen und auch die letzten vier Ziffern unserer Handynummer aussuchen. Nachdem das soweit geschafft war, hatten wir aber immer noch kein Handy, sondern mussten noch 1,5 Stunden warten, bevor wir sie abholen konnten…

 

 

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In der Zwischenzeit haben wir Mikis Schwester und eine weitere Freundin getroffen und sind zum Karaoke gegangen. War sehr lustig. Brigi mag BonJovi und Bryan Adams anscheinend sehr gern, aber wir haben festgestellt, dass deren Songs furchtbar zu singen sind. Ich hab mich auch an zwei japanischen Liedern versucht (Spitz und Mongol800). Hat jedenfalls sauviel Spaß gemacht und schreit nach Wiederholung, denn drei Stunden Singen gehen viel zu schnell vorbei.

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Jedenfalls konnten wir dann noch unsere Handys abholen und sind dann wieder zurück zum Wohnheim gefahren. Dort angekommen, war Highlife in der großen Gemeinschaftskücke in der Lobby. Circa 20 Leute waren fleißg dabei, Gyōza zu machen und luden uns gleich ein, mitzumachen. Wenig später gab es dann Gyōza satt und die Koreanerinnen Dami und Eun-ji hatten noch was koreanisches gekocht. Sehr lecker. *myam* Als wir eigentlich schon fertig waren, kamen noch zwei Japanerinnen mit einer Suppe mit Pilzen, Tofu und Kohl, sowie Reissuppe mit Ei an. Die mussten dann natürlich auch noch probiert werden. ^^

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Brigi war von ihrem „low taste“-Bier *g* irgendwie schon recht angeheitert, so dass wir non-stop am Lachen waren. Sie kann ein bisschen Deutsch und fing an, immer wenn sie ein Wort nicht auf Englisch wusste, es durch das deutsche Wort zu ersetzen, was bei mir anfangs zu etwas Verwirrung sorgte. („Oh, ihr sagt auch ‚Quark’ in Ungarn??“ – „Nein, das hab ich für dich gesagt!“) Wurde dann schnell zum Running-Gag. xD Außerdem gefiel Brigi das gemeinsame Essen so gut, dass sie eine Sake-Party vorgeschlagen hat. Mit Sake statt Suppe. *g*

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Den Vormittag habe ich heute ganz unspäktakulär mit Wäschewaschen etc. verbracht. Hab mich dafür schon um 8 Uhr mit Anja und Brigi verabredet, weil wir alle nicht so viel Wäsche zusammen hatten, um alleine zu waschen und wir uns so die Maschinen teilen konnten. Eine Waschladung kostet 100 Yen, ebenso viel kosten 20 Minuten im Trockner. Um in den Wasch- und Trockenraum zu kommen, braucht man eine Schlüsselkarte, die man einfach vor ein Gerät neben der Tür hält und dann kurz wartet, dass es piept und die Tür entriegelt wird. Auch wenn man nach 22 Uhr ins Haus will, braucht man diese Karte, weil alle Türen dann abgeschlossen werden.

Anja hat mit einer japanischen Freundin von ihr telefoniert und abgemacht, dass wir uns morgen mit ihr in Umeda treffen, damit wir Handys kaufen können. Yay, endlich ein Handy!! Kurze Zeit später rief die Internetfirma bei mir an, um meinen Auftrag zu bestätigen und mir mitzuteilen, dass mir das Modem zugeschickt wird. Vielleicht geht das ja doch schneller als es zunächst hieß.

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Am Nachmittag bin ich dann mal wieder durch den Park bis Minami-Senri gegangen und hab ein paar Fotos gemacht, damit ihr mal einen Eindruck davon bekommt. Es hat zwar ein bisschen geregnet, aber trotzdem saßen ein paar Leute am Teich und haben geangelt.

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Es kommt auch schon mal vor, dass jemand stehen bleibt und mich anstarrt. Vor allem meine kurzen Haare scheinen etwas aufzufallen. Ich werde oft auf die roten Strähnen und das Styling angesprochen. Bisher waren aber die Reaktionen immer positiv. ^.^

In der Garden Mall konnte ich heute nicht mehr widerstehen und habe meiner Nagellack-Sucht nachgegeben. Schließlich brauche ich ja einen passenden Nagellack zu meinem Outfit für die OUSSEP-Eröffnungszeremonie am 10. Oktober (jaja, man brauch halt ne Ausrede *g*).

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Mitten in der Einkaufsstraße ein kleiner Schrein, der mir erst auffiel, als ich jemanden davor beten sah…

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Als ich dann zurückkam, war Bescherung angesagt. Gabriel kam alle paar Minuten mit Sachen an, von Tupperdosen und Töpfen über Kleiderbügel und Körbe bis hin zu einem Reiskocher. Einen Wasserkocher hatte ich auch schon ein paar Tage vorher von ihm bekommen, damit ich mir Erkältungstee kochen kann und nun fühlte ich mich wirklich wie Weihnachten. Mein Zimmer ist auf einmal so voll. ^__^

Ach ja, was ich schon längst mal erwähnt haben wollte: Der Typ, der im selben Flugzeug wie ich saß, ist Finne (is ja naheliegend, wenn er auch von Helsinki aus fliegt) und heißt Karl Viktor (Ähnlichkeiten mit gewissen anderen Personen müssen irgendwie mit dem Namen zusammenhängen xD ). Wir dürfen ihn aber auch Vike (sprich: Wikää (ja, genau die Betonung, an die ihr jetzt denkt xDD )) nennen. *g* Er selbst hat mich im Flugzeug nicht bemerkt (Is ja auch schwer, wenn ansonsten fast nur Japaner mitfliegen xDDD ).

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Gestern ging es mit mehr oder weniger nützlichen Orientierungen auf dem Toyonaka-Campus weiter. Die Führung durch die Hauptbibliothek war ganz in Ordnung, nur die lange Einleitung davor war überflüssig. „Diese Bibliothek hat drei Bereiche, A, B, C. Bereich A hat sechs Stockwerke, Bereich B hat vier Stockwerke… So und so viele Bücher, so und so viele Quadratmeter“ und dergleichen. *gähn* Am interessantesten war, dass die Zeitschriftenregale sich auf Knopfdruck verschieben lassen und nicht per Handrad, wie ich das bisher kannte. Die Abteilung für Austausstudenten ist seeehr groß *haha* und es gibt auch eine Abteilung für „Nipponese Literature“. *g*

Nach der Mittagspause gab es dann eine Einführung in das Cybermedia-Center, wo wir alle vor einen PC gesetzt wurden und sofort alle anfingen, wie verrückt das Internet zu benutzen. Ich schätze, es gab niemanden, der dem armen Menschen zugehört hat, der sich vorne bemühte, uns irgendwas zu erklären…

Ständig kam die Frage auf, ob man irgendwo Wireless-LAN benutzen könnte. In der Bibliothek soll es angeblich möglich sein, aber so genau weiß das irgendwie keiner. Überhaupt ist Wireless-LAN irgendwie ein Fremdwort hier…

Zum Schluss gab es noch eine Führung über den gesamten Toyonaka-Campus. Wir fragten eine der Studentinnen, die uns herumführten nach Internetmöglichkeiten und sie meinte, dass wir bei McDonalds Wireless-LAN nutzen könnten, aber dazu später noch mehr…

Heute haben Brigi und ich dann endlich versucht, ein Bankkonto bei Mitsui Sumitomo zu eröffnen. Sie hat zwar schon eins, aber JASSO überweist nicht an Postbankkonten, so dass sie ein anderes braucht. Insofern ist es ganz gut, dass ich noch kein Konto bei der Post eröffnet habe, wie ich ursprünglich vorhatte.

Brigi meinte, dass es in Minami-Senri nur einen Geldautomaten von Sumitomo gäbe, weshalb wir nach Kita-Senri fuhren, wo wir vergeblich nach der Bank suchten und uns auch niemand sagen konnte, wo eine Bank sei. Erst der dritte Japaner, den ich fragte, konnte uns sagen, dass es in Kita-Senri keine Sumitomo-Bank gibt.

Also sind wir unverrichteter Dinge erstmal zum Suita-Campus gefahren, wo wir in der IC-Hall Anja treffen und den Webtest für die Japanischkurse machen wollten. Beim Test für den vierten Level, in den ich gerne will, habe ich 93 von 150 Punkten errreicht. Jetzt bin ich nicht ganz sicher, ob ich den Kurs tatsächlich machen kann, aber da frage ich am Montag mal Kondo-sensei.

Die Damen in der IC-Hall meinten, dass es in Minami-Senri doch eine Sumitomo-Bank gäbe und nicht nur einen Geldautomaten, weshalb wir also nochmal dorthin fuhren und tatsächlich eine Bank fanden. 100_3168.jpgSoweit so gut. Wir bekamen auch gleich Formulare zum Ausfüllen, aber als wir gerade damit anfangen wollten, wies uns ein Herr zu einem freien Schalter, wo der Spaß erst richtig anfing. Brigi brauchte außer dem Bankkonto auch noch eine Kreditkarte, damit sie einen Internetanschluss beantragen kann, was sich als sehr schwierig herausstellte. Denn irgendwie muss man schon sechs Monate in Japan gelebt haben, um eine Kreditkarte von Sumitomo zu bekommen. Ich hatte auch ziemliche Schwierigkeiten zu verstehen, was die Frau am Schalter von mir wollte, weil sie natürlich Keigo benutzte und ich mich erst langsam wieder daran erinnerte. Sie hat mir bestimmt viermal etwas erklärt und ich habe immer nachgefragt, ob ich das jetzt richtig verstanden hätte, bis ich schließlich aufgab und fragte, ob sie Englisch spricht. Jedenfalls konnte Brigi dann doch kein Konto bei Sumitomo eröffnen und ging mit Anja zu einer anderen Bank, während ich bei Sumitomo blieb und es irgendwie mit Hilfe der Bänkerin schaffte, das Formular auszufüllen und nur noch ein paar Minuten warten musste, bis mein Kontobuch fertig war. Seltsam ist, dass man sich selbst eine Pin-Nummer ausdenken muss.

Später im Wohnheim sagte uns ein jordanischer Austauschstudent, Daut (der so), dass ein Freund von ihm eine Kreditkarte bekommen hätte, während er selbst bis jetzt noch überhaupt kein Konto besitzt. Scheinbar sind die Regelungen von Filiale zu Filiale unterschiedlich und man sollte es bei verschiedenen Filialen probieren. Aber egal, ich habe endlich mein Bankkonto!! *yay*

Abends sind wir dann zum nächsten McDonalds gefahren, um nach Wireless-LAN zu fragen, wo die Bedienungen erstmal anfingen zu lachen. Wahrscheinlich war unsere Frage zu abwegig… Jedenfalls schickten sie uns zu einem größeren McDonalds, um es dort zu probieren. Wir mussten ein ganzes Stück von Minami-Senri fahren, nur um wieder festzustellen, dass wir kein Wireless-LAN benutzen konnten. Also den ganzen Weg wieder zurück und diesmal auch noch bergauf…

Heute sind wir eindeutig zu viel Fahrrad gefahren und haben dabei eindeutig zu wenig erreicht. Plus: Es war eindeutig zu schwül und heiß. Ich glaub, ich hab noch nie so viel geschwitzt wie heute und über zu wenig Bewegung kann ich mich auch nicht beklagen.

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Der zweite Orientierungstag war sehr ermüdend. Zum einen, weil mir die meisten Informationen schon aus den Broschüren bekannt war, die mir nach München geschickt worden waren (und die ich hier nocheinmal bekam), und zum anderen, weil alles auf Japanisch und Englisch erklärt wurde, wodurch sich alles ewig in die Länge zog.

Als wir ankamen, wurden unsere Pässe eingesammelt, damit die Uni Kopien machen konnte und wir bekamen jeder einen dicken Packen Zettel und unsere Studenten- und Bibliotheksausweise. Die OUSSEP-Koordinatoren, Kondo-san und Kitahama-san, und die Mitarbeiter von der Austauschstudenten-Abteilung stellten sich vor und riefen dann alle OUSSEP-Studenten der Reihe nach auf, um sich auch kurz vorzustellen.

Für alle, die Statistik mögen, hier ein paar Zahlen (allerdings nur die OUSSEP-Studenten, dazu kommen noch reguläre Austauschstudenten):

USA 7

Kanada 5

China 4

Frankreich 4 (darunter ein Ehepaar)

Australien 3

Finland 3

Korea 3

Thailand 3

Taiwan 2

Je eine(r) aus: Polen, Deutschland (guess who), Holland, Schweden, Ungarn, Italien, Mongolei

Insgesamt 41

(davon sind 33 ganzjährig, 5 halbjährig und 3 im fortgeschrittenen Japanischkurs)

Die meiste Zeit hat Kondo-san alles mögliche über OUSSEP erklärt und das sehr ausführlich, weil ja alles soooo kompliziert ist. Zum Beispiel ist es sehr kompliziert zu verstehen, dass man 15 krejit points (Krejit points?? – Ah, credit points! (O-Ton nicht Japanisch sprechende Studenten *g*)) pro Semester erreichen muss, um das Programm erfolgreich abzuschließen. Da muss man schon ne halbe Stunde drüber sprechen. Ja, wirklich, das braucht man schon. Und als Kondo-san seine Erklärungen endlich abgeschlossen hatte, meldete sich Kitahama-san zu Wort, die nochmal unterstrich, dass wir MINDESTENS 15 credit points verdienen müssen. (Is mir doch eh wurscht…) So ging das den ganzen Tag, nur von der Mittagspause unterbrochen, in der uns die Sempais eine bessere Caféteria zeigten, die etwas weiter von der IC-Hall entfernt liegt, und eben immer erst auf Japanisch und dann noch mal den ganzen Schmarrn auf Englisch. *hoorray*

Als wir gegen 15:30 Uhr alle Erklärungen überstanden hatten, kamen drei Damen von der Gastfamilien-Organisation AMIGO vorbei und stellten ihre Organisation vor. Die Frauen im Alter zwischen 50 und 60 veranstalten Anfang Oktober einen Basaar und während des Semesters Ausflüge etc. Von ihnen bekam jeder ein Paket Waschpulver geschenkt. ^_^

Anschließend stand das Supervisor-Treffen an, was heute sicherlich am interessantesten von allem war. Mir wurde Dr. Ayako Fujita von der Fakultät für Human Sciences zugeteilt, die mit ihrer Assistentin „Botcha“ gekommen war. Sie hatte zwar meine Bewerbungsunterlagen für OUSSEP samt der Empfehlung von Herrn Vollmer dabei, aber meinen Aufsatz über mein Forschungsvorhaben hatte sie scheinbar nicht. So musste ich ihr ganz von vorne erklären, wofür ich mich interessiere. Die beiden nahmen mich dann in die Fakultät mit, wo mir Botcha den Studentenraum zeigte. Dort saßen zwei weitere Studenten (Namen vergessen -.-), von denen der eine mir gleich Tee kochte und Pocky anbot. Ab da kamen im Minutentakt immer neue Studenten in den Raum, die sich mir vorstellten und nie wussten, ob sie Englisch oder Japanisch mit mir sprechen sollten. Einer fing an mit: „My name is Daisuke“ und fragte dann die anderen, was „Yoroshiku onegaishimasu“ auf Englisch bedeute, worauf ich einfach „Yoroshiku onegaishimasu“ antwortete und alle lachten. Daisuke bekam dann Schluckauf und Botcha wollte wissen, was Schluckauf auf Deutsch heißt. Die Studenten in der Fakultät scheinen schwer in Ordnung zu sein, lachen viel und sind sehr lustig. Hab mich da sehr wohl gefühlt.

Plötzlich kam ein weiterer Japaner herein, der sich mir fast flüsternd als Kei Herai vorstellte und mir mitteilte, dass er massenweise statistische Daten hätte. Falls ich also Datenmaterial bräuchte, sollte ich zu ihm kommen. Er kramte noch nach einer Visitenkarte, fand aber keine, und verschwand dann so schnell er konnte wieder. Die anderen meinten dann, dass er super schüchtern sei.

Schließlich kam noch ein weiterer Student herein, der wohl als Freak bekannt ist, auffällig gestylt war und sich „Prince“ nennt. Eigentlich heißt er aber Tetsu. Tetsu forscht in die gleiche Richtung wie ich und will mir beim nächsten Treffen Kopien von seinen Büchern schenken.

Da platzte nochmal Herai-san herein, um mir seine Visitenkarte in die Hand zu drücken und dann gleich wieder kehrt machte, über die Schuhe im Eingangsbereich stolperte und zurück in sein Büro flüchtete. Hab wirklich noch keinen so schüchternen Typen erlebt… Laut Visitenkarte ist er Doktorand.

Die anderen Studenten waren kurz davor zu gehen und warteten nur noch auf ihren Bus und so fingen sie an, sich über mein Aussehen zu unterhalten. Tetsu verglich mich mit Botcha, der ich überhaupt nicht ähnlich sehe und Daisuke fragte, ob in Deutschland viele Mädchen die Haare so wie ich tragen…

Als ich zu meinem Fahrrad ging, sah ich den italienischen Studenten Paolo, der mit einer Karte herumhantierte und nicht wusste, wie er wieder in sein Wohnheim kommen sollte. Zum Glück wohnt er nicht weit von meinem Wohnheim entfernt, so dass ich ihm den Weg bis zum Yamada-eki zeigen konnte, von wo aus er (hoffentlich) zurück gefunden hat. Werde ich ja morgen herausfinden, wenn er bei der Tour über den Toyonaka-Campus dabei ist (oder eben nicht)…

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Gestern Nachmittag hat es endlich angefangen zu regnen und dann bis zum späten Abend gar nicht mehr aufgehört. Gut, dass ich den Vormittag noch genutzt hatte, um mich vor dem Hotel am Minami-Senri-eki ins Internet einzuwählen. Leider funktioniert mein E-Mail-Programm gerade nicht, sodass ich noch keine Mails beantworten konnte. Mein Akku war auch leider zu schnell leer, um herauszufinden, warum es nicht funktionieren wollte. Gomen ne…

Irgendwann hat Gabriel mir seinen Fernseher gebracht, aber das Antennenkabel fehlt noch, weil er es gerade nicht finden konnte. Naja, aber bald habe ich dann auch japanisches Fernsehen. *yay* Wird wahrscheinlich besser sein, als die zwei Radiosender, die ich hier empfange. Der eine spielt nur klassische Musik und der andere macht ständig Gesangswettbewerbe und Umfragen…

Am Abend klopfte es wieder an meine Tür und davor standen (wer wohl??) Gabriel und Yumiko, diesmal aber mit einer weiteren Japanerin, die sie mir als Kanae vorstellten. Sie ist Tutorin hier im Haus und lernt Deutsch. Jetzt habe ich also schon eine Tandem-Partnerin. ^__^

Heute war die erste Orientierung an der Handai. Um 11 Uhr trafen sich alle Austauschstudenten in der International Collaboration Hall (IC-Hall) auf dem Suita-Campus und ich war überrascht, wie viele dort waren, da ich nur mit den OUSSEP-Studenten gerechnet hatte und das sind nur zwanzig Leute. Insgesamt sind es wohl so 50, 60 Studenten. Viele kommen aus den USA oder China, soweit ich das bisher mitbekommen habe. Kanadier und Koreaner sind aber auch ganz gut vertreten.

Nachdem ich in der Bahn auf dem Weg zum Campus einige OUSSEP-Studenten getroffen hatte, die in einem anderen Wohnheim untergebracht sind, erkannte ich nun ein paar Leute wieder, die im selben Haus wie ich wohnen. Darunter Anja aus Polen und Brigi(tta) aus Ungarn. Natürlich waren auch die Koreanerinnen und Chinesinnen von letzten Freitag anwesend. Außerdem war da noch ein etwas eigenwillig gestylter Typ, der schon im gleichen Flieger wie ich saß. Hab aber noch nicht rausgefunden, woher der eigentlich kommt. Deutscher ist er wohl nicht… Aber es gibt zwei deutsche Studenten von der TU München. Einer heißt Jan-Paul und einer Nur-Paul. *g* Dann ist mir noch eine quirlige Girlie-Taiwanesin aufgefallen, Angela, deren Hauptanliegen in Japan scheinbar nur Boyfriendsuche ist. Jeder zweite Kommentar von ihr zu einem Typen ist „hansamu na hito“ und zu ihrem taiwanesischen Kollegen, Tetsu, meinte sie, dass ja eine von seinen Gastschwestern seine Freundin werden könnte. Naja…

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Jedenfalls begannen wir mit einer Führung über den Campus und aßen dann in einer der Caféterien Mittag. Ich hatte Tonkatsu-Reis, was für knapp 3 Euro auch gar nicht schlecht war. Getränke gibt’s da netterweise gratis.

Anschließend ging es wieder in die IC-Hall, wo wir unsere Gastfamilien treffen sollten. Mir wurde Familie Nakamoto vermittelt, die aus vier Mitgliedern plus Hund besteht. Meine Gastmutter, Nakamoto-san, ist 60 Jahre alt und Lehrerin für japanische Kultur, also Ikebana, Teezeremonie, Kimonotragen usw. Sie arbeitet außerdem ehrenamtlich für einen lokalen Radiosender und ist deshalb wohl hier in der Gegend sehr bekannt. Über ihren Mann, auch 60, hat sie mir noch nicht viel erzählt, aber ihr Sohn ist 29, unverheiratet, mit Skateboarden als Hobby und ihre Tocher ist 23, hat letztes Jahr geheiratet und erwartet jetzt ihr erstes Kind. Noch dazu wohnt Famlie Nakamoto quasi direkt bei mir um die Ecke und nächsten Mittwoch werde ich von Frau Nakamoto abgeholt, um erstmal bei ihr einen Kimono anzuprobieren und später dann mit ihr zum Radiosender zu fahren. Sieht so aus, als käme ich jetzt auch noch ins Radio. XD Auf jeden Fall wird sie mir die geballte Ladung japanischer Frauenerziehung vermitteln und sie war sehr begeistert, als ich ihr sagte, ich möchte japanisch kochen lernen. Außerdem stehen irgendwann noch Besuche in Kyoto und Nara an. Jeder, den ich treffe, will mir Kyoto und Nara zeigen. Mit wem geh ich denn jetzt? (Jaja, meine Probleme wollt ihr haben… *g*)

Nakamoto-san stellte mir auch noch Frau Matsushima von der Suita Interpeople Friendship Association vor, die mich gleich zu ihrem Fest Anfang November einlud. Ich glaube, langweilig wird mir hier ganz sicher nicht.

Zum Schluss konnten wir für gut 20 Euro Fahrräder für ein Jahr mieten, was sehr praktisch ist. Damit konnte ich noch schnell zu einem etwas weiter entfernt liegenden Supermarkt fahren, der hier in der Gegend am preisgünstigsten ist und ein ziemlich gutes Sortiment hat. (Hab endlich Taschentücher gefunden!!) Kleine Frage am Rande: Gibt es eigentlich auch Hairstyling-Produkte für Frauen oder muss ich die Männermarken kaufen? Hab noch nirgendwo was derartiges gesehen… (Jetzt weiß ich vielleicht, wie Mark sich in der Make-up-Abteilung gefühlt hat. *g*)

Irgendwie ist alles hier sehr ermüdend, auch wenn’s viel Spaß macht. Bin mal wieder totmüde und meine Erkältung merke ich auch wieder deutlicher. Aber die Orientierungswoche hat ja erst angefangen…

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Neues von der Blog-Front

Soo, endlich gibt es Neues aus Japan. Leider habe ich keine Internetverbindung auf meinem Zimmer und kann daher nicht regelmäßig posten…

Ist jetzt leider schon einiges zusammengekommen, wo ihr euch durchwühlen müsst. Also bitte weiter unten anfangen und dann noch oben vorarbeiten! (-;

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Heute war ich endlich wieder fit. Mitten in der Nacht bin ich aufgewacht und hatte dieses Gefühl, das man hat, wenn man tagelang von einer Krankheit geschwächt war und sich plötzlich wieder ganz gesund fühlt. So schlimm war’s bei mir zwar nicht, aber ich hatte eben endlich wieder richtig Energie, nur leider zur falschen Uhrzeit und so konnte ich zwei Stunden lang nicht mehr einschlafen… Hab dann etwas Radio gehört, wo gerade irgendein Gesangswettbewerb oder sowas lief. Sehr lustig. *g*

Am Nachmittag rief mich dann Gabriel an und fragte, ob ich mit ihm und Yumiko essen gehen wollte. Eine Viertelstunde später gingen wir dann zu einem japanischen Restaurant am Yamada-eki. Auf dem Weg erzählten die beiden mir viel über die Umgebung, welche Läden es wo gibt, welche günstig sind, usw. Natürlich wieder auf Japanisch, damit ich da gleich rein komme. Verstehen war auch meistens nicht das Problem, aber kaum stellte einer der beiden mir eine Frage, wurde es kritisch. Aber sie haben mich die ganze Zeit dazu ermutigt zu sprechen, auch wenn ich Fehler mache, und mir alles ganz genau erklärt, wenn ich etwas nicht verstanden habe.

Das Essen im Restaurant war sehr lecker. Ich hatte Soba, Tempura und Reis, aber den Reis habe ich nicht mehr ganz geschafft. Danach sind wir spontan nach Umeda gefahren, also mitten ins Stadtzentrum, wo wir als erstes mit dem Riesenrad gefahren sind und über die ganze Stadt blicken konnten. Ich klebte wie immer anden Fensterscheiben, um den Anblick aufzusaugen und war völlig fasziniert von der Stadt.

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Anschließend sind wir ein bisschen in Umeda herum gegangen und haben in einem Starbucks Pause gemacht. Brombeer-Mocha-Frappé ist sehr zu empfehlen, aber sowas gibt’s in Deutschland ja nicht… Ich war zu dem Zeitpunkt schon ein bisschen erschlagen von den vielen neuen Eindrücken, aber total happy, endlich Osaka zu erleben. Da können noch so viele Leute sagen, japanische Städte seien hässlich, aber ich mag die japanische Bauweise total gern. Und Osaka liebe ich jetzt schon. ^__^

Zum Schluss sind wir noch in einen riesigen Buchladen gegangen, wo ich mir ein Buch über Logik gekauft habe, das für japanische Oberstufenschüler gedacht ist und einen sehr kompakten Überblick über philosophische und religiöse Fragestellungen bietet. Gabriel hat mir auch viele Bücher zum Japanischlernen empfohlen und morgen schaue ich mal, was er noch so an Büchern hat, die er nicht mitnehmen will. Momentan steigt meine Motivation, wieder richtig intensiv Japanisch zu lernen und das ist sehr angenehm, weil die mir im letzten Semester ein bisschen abhanden gekommen ist. Jetzt hoffe ich, dass das OUSSEP mich auch ein bisschen weiter bringen wird, denn leider ist es ja auf Englisch und ich hoffe, dass die Level der Spachkurse nicht zu niedrig angesetzt sind. Aber erstmal muss ich ja den Einstufungstest am Freitag gut meistern, sonst verbaue ich mir selber die Chance, in einem höheren Level einzusteigen…

Trotz aller Motivation falle ich gleich aber sofort ins Bett, obwohl es erst kurz nach 22 Uhr ist… Bin total erledigt von soviel Japan. ^-^zzz

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