Gestern Nachmittag hat es endlich angefangen zu regnen und dann bis zum späten Abend gar nicht mehr aufgehört. Gut, dass ich den Vormittag noch genutzt hatte, um mich vor dem Hotel am Minami-Senri-eki ins Internet einzuwählen. Leider funktioniert mein E-Mail-Programm gerade nicht, sodass ich noch keine Mails beantworten konnte. Mein Akku war auch leider zu schnell leer, um herauszufinden, warum es nicht funktionieren wollte. Gomen ne…
Irgendwann hat Gabriel mir seinen Fernseher gebracht, aber das Antennenkabel fehlt noch, weil er es gerade nicht finden konnte. Naja, aber bald habe ich dann auch japanisches Fernsehen. *yay* Wird wahrscheinlich besser sein, als die zwei Radiosender, die ich hier empfange. Der eine spielt nur klassische Musik und der andere macht ständig Gesangswettbewerbe und Umfragen…
Am Abend klopfte es wieder an meine Tür und davor standen (wer wohl??) Gabriel und Yumiko, diesmal aber mit einer weiteren Japanerin, die sie mir als Kanae vorstellten. Sie ist Tutorin hier im Haus und lernt Deutsch. Jetzt habe ich also schon eine Tandem-Partnerin. ^__^
Heute war die erste Orientierung an der Handai. Um 11 Uhr trafen sich alle Austauschstudenten in der International Collaboration Hall (IC-Hall) auf dem Suita-Campus und ich war überrascht, wie viele dort waren, da ich nur mit den OUSSEP-Studenten gerechnet hatte und das sind nur zwanzig Leute. Insgesamt sind es wohl so 50, 60 Studenten. Viele kommen aus den USA oder China, soweit ich das bisher mitbekommen habe. Kanadier und Koreaner sind aber auch ganz gut vertreten.
Nachdem ich in der Bahn auf dem Weg zum Campus einige OUSSEP-Studenten getroffen hatte, die in einem anderen Wohnheim untergebracht sind, erkannte ich nun ein paar Leute wieder, die im selben Haus wie ich wohnen. Darunter Anja aus Polen und Brigi(tta) aus Ungarn. Natürlich waren auch die Koreanerinnen und Chinesinnen von letzten Freitag anwesend. Außerdem war da noch ein etwas eigenwillig gestylter Typ, der schon im gleichen Flieger wie ich saß. Hab aber noch nicht rausgefunden, woher der eigentlich kommt. Deutscher ist er wohl nicht… Aber es gibt zwei deutsche Studenten von der TU München. Einer heißt Jan-Paul und einer Nur-Paul. *g* Dann ist mir noch eine quirlige Girlie-Taiwanesin aufgefallen, Angela, deren Hauptanliegen in Japan scheinbar nur Boyfriendsuche ist. Jeder zweite Kommentar von ihr zu einem Typen ist „hansamu na hito“ und zu ihrem taiwanesischen Kollegen, Tetsu, meinte sie, dass ja eine von seinen Gastschwestern seine Freundin werden könnte. Naja…

Jedenfalls begannen wir mit einer Führung über den Campus und aßen dann in einer der Caféterien Mittag. Ich hatte Tonkatsu-Reis, was für knapp 3 Euro auch gar nicht schlecht war. Getränke gibt’s da netterweise gratis.
Anschließend ging es wieder in die IC-Hall, wo wir unsere Gastfamilien treffen sollten. Mir wurde Familie Nakamoto vermittelt, die aus vier Mitgliedern plus Hund besteht. Meine Gastmutter, Nakamoto-san, ist 60 Jahre alt und Lehrerin für japanische Kultur, also Ikebana, Teezeremonie, Kimonotragen usw. Sie arbeitet außerdem ehrenamtlich für einen lokalen Radiosender und ist deshalb wohl hier in der Gegend sehr bekannt. Über ihren Mann, auch 60, hat sie mir noch nicht viel erzählt, aber ihr Sohn ist 29, unverheiratet, mit Skateboarden als Hobby und ihre Tocher ist 23, hat letztes Jahr geheiratet und erwartet jetzt ihr erstes Kind. Noch dazu wohnt Famlie Nakamoto quasi direkt bei mir um die Ecke und nächsten Mittwoch werde ich von Frau Nakamoto abgeholt, um erstmal bei ihr einen Kimono anzuprobieren und später dann mit ihr zum Radiosender zu fahren. Sieht so aus, als käme ich jetzt auch noch ins Radio. XD Auf jeden Fall wird sie mir die geballte Ladung japanischer Frauenerziehung vermitteln und sie war sehr begeistert, als ich ihr sagte, ich möchte japanisch kochen lernen. Außerdem stehen irgendwann noch Besuche in Kyoto und Nara an. Jeder, den ich treffe, will mir Kyoto und Nara zeigen. Mit wem geh ich denn jetzt? (Jaja, meine Probleme wollt ihr haben… *g*)
Nakamoto-san stellte mir auch noch Frau Matsushima von der Suita Interpeople Friendship Association vor, die mich gleich zu ihrem Fest Anfang November einlud. Ich glaube, langweilig wird mir hier ganz sicher nicht.
Zum Schluss konnten wir für gut 20 Euro Fahrräder für ein Jahr mieten, was sehr praktisch ist. Damit konnte ich noch schnell zu einem etwas weiter entfernt liegenden Supermarkt fahren, der hier in der Gegend am preisgünstigsten ist und ein ziemlich gutes Sortiment hat. (Hab endlich Taschentücher gefunden!!) Kleine Frage am Rande: Gibt es eigentlich auch Hairstyling-Produkte für Frauen oder muss ich die Männermarken kaufen? Hab noch nirgendwo was derartiges gesehen… (Jetzt weiß ich vielleicht, wie Mark sich in der Make-up-Abteilung gefühlt hat. *g*)
Irgendwie ist alles hier sehr ermüdend, auch wenn’s viel Spaß macht. Bin mal wieder totmüde und meine Erkältung merke ich auch wieder deutlicher. Aber die Orientierungswoche hat ja erst angefangen…